- Rathaus & Politik
- Leben & Wohnen
- Freizeit & Tourismus
Pressemitteilung
Silbermedaillenträger der Deaflympics im Rathaus zu Gast
Rotenburg a. d. Fulda, 20.03.26
Vom 15. bis 26. November 2025 war Tokio das Zentrum des internationalen Gehörlosensports. Nach den olympischen und paralympischen Spielen fanden dort am Jahresende die sogenannten Deaflympics (deaf ist das englische Wort für „taub“) statt. Das deutsche Nationalteam war in insgesamt zwölf Disziplinen vertreten, darunter auch Handball. Der Rotenburger Handballer Florian Jesse und seine Mannschaft gewannen mit ihrer sportlichen Leistung die Silbermedaille in der japanischen Hauptstadt.
„Ich spiele im Amateurbereich, habe drei Mal im Jahr ein Trainingslager und werde dort auf internationale Wettkämpfe vorbereitet. Bei den Spielen, wenn man den Bundesadler auf der Brust tragen darf – das ist ein Wahnsinnsgefühl“ sagt Florian Jesse, Mitglied im Bundeskader der gehörlosen Sportler. Im internationalen Gehörlosensport gibt es keine Berufs-Sportler. Die Athleten nehmen für Wettkämpfe Urlaub und zahlen die Veranstaltungen selbst. Zur Vorbereitung auf die Wettkämpfe hat auch der Rotenburger ein halbes Jahr lang sein Studium pausiert, um sowohl körperlich, als auch mental in Höchstform zu sein – mit Erfolg. Die gesamte deutsche Equipe hat in diesem Jahr doppelt so viele Medaillen ergattert, wie noch vor vier Jahren. 20 Medaillen können die Sportlerinnen und Sportler nun ihr Eigen nennen. Auch der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat das gesamte Nationalteam bereits ins Schloss Bellevue eingeladen und an die Gäste das silberne Lorbeerblatt verliehen. Dieses ist die höchste staatliche Auszeichnung für Spitzenleistungen im deutschen Sport. „Das Ehrgefühl kannst du gar nicht beschreiben“, fasst Jesse dieses Erlebnis schlicht zusammen.
Diese Auszeichnung und auch die eindrucksvolle Silbermedaille präsentierte Florian Jesse nun im Rotenburger Rathaus und sicherte sich für die beachtliche sportliche Leistung auch direkt einen Eintrag im goldenen Buch der Stadt. „Insgesamt 25 Spieler zählt der Bundeskader der gehörlosen Handballer. 18 Kandidaten wurden zur Teilnahme an den Deaflympics nominiert und 16 durften letztendlich nach Tokio fahren“, berichtet Jesse, der vor Ort sogar als Spielführer angetreten ist.
20 Tage verbrachte die Mannschaft vor Ort in Tokio, wobei vor den Spielen das Auskurieren des Jetlags und nach den Spielen einen Tag lang Sightseeing auf der To-Do-Liste standen. „Unser Angstgegner ist und bleibt Kroatien“, schmunzelt der angehende Medienfachmann. Bei diesem Spiel konnte er selbst glücklicherweise zusehen, er war bei den Spielen gegen Japan und im Viertelfinale gegen Kenia eingesetzt. Der gesamte Wettkampf wurde über YouTube gestreamed und oft mit Gebärdensprachendolmetschung oder Untertiteln ergänzt. „Ein Mal haben wir es sogar kurz in die ARD-Tagesschau geschafft“, freut sich Jesse. Eine kontinuierliche Berichterstattung sei leider nicht selbstverständlich. Die Akzeptanz und vor allem auch der Bekanntheitsgrad der Deaflympics würden immer größer, leider wüssten viele Menschen und vor allem auch viele Vereine aber bis heute nicht, dass gehörlose Sportler individuell gefördert werden können. „Nachwuchs wird immer gesucht. Daher ist es so wichtig, dass die Vereine Bescheid wissen und diese Infos an passende Sportler weitergeben“ sagt der Nationalspieler. Leider sei dies aufgrund des Datenschutzes oft schwierig. „Daher plane ich auch mich beim Olympiastützpunkt Hessen zu bewerben und will versuchen, darüber die Bubble des Gehörlosensports bekannter zu machen“, sagt der Rotenburger. Der Olympiastützpunkt Hessen begleitet Sportlerinnen und Sportler auf ihrem Weg zu olympischen und paralympischen Spielen. Er ist die wichtigste Service-Einrichtung des Spitzensports in der Region und obliegt der Trägerschaft des Landessportbund Hessen e.V.
Bei den Deaflympics können Sportlerinnen und Sportler teilnehmen, die einen Hörverlust von mindestens 55 Dezibel auf dem besseren Ohr vorweisen können. Während der Wettkämpfe dürfen keinerlei Hörhilfen getragen werden, jeder Teilnehmer tritt demnach mit seinem individuellen Hörvermögen an. Dies unterscheidet die Deaflympics von den Paralympics. Hier werden beispielsweise Athletinnen und Athleten mit einer entsprechenden Sehbehinderung gleichgesetzt, indem alle eine Maske tragen, die eine vollständige Erblindung darstellt. Bei den Paralympics wird Gehörlosigkeit somit meist nicht berücksichtigt. Sie richten sich vorrangig an Menschen mit körperlichen, geistigen oder sensorischen Behinderungen.

